Into the glacier...

Heute hatten wir uns alle schon sehr zeitig zum Frühstück verabredet, um uns für den Tag im Eis zu stärken. Dick und warm eingepackt ging es für uns noch vor 9 Uhr mit dem Bus zur Gletscherlagune Jökullsarón. Der vom isländischen Wetterdienst vorangekündigte starke Wind peitschte gegen den Bus. Die starken Schneeverwehungen auf der Straße machten die Anreise für uns im ersten Sonnlicht zum beeindruckenden Wetterschauspiel aber auch zum Nervenkitzel für einige Teilnehmer. Unser Highlight des heutigen Tages sollte eine mehrstündige Gletscherwanderung mit Icecav- Besichtigung werden, die allerdings vom Anbieter aus Sicherheitsgründen wegen des starken Sturmes  abgesagt werden musste. Die starken Fallwinde machten eine Besteigung unmöglich. Dank einer schnellen Planänderung bekamen wir bei einem anderen Touranbieter allerdings die Chance in eine der sicheren Eishöhlen am Füße des Vatnajökull zu gelangen. Unsere etwas vorsichtigen Teilnehmer Uschi und Christian hatten beim Anblick unseres in die Jahre gekommenen Gefährts - ein isländischer Eigenbau auf Basis eines Unimogs doch ein ziemlich mulmiges Gefühl. Als das hochlandtaugliche Ungetüm dann große Startschwierigkeiten hatte überhaupt den Parkplatz zu verlassen, waren alle schwer beunruhigt. Gunnar, unser Guide gestand uns dann auch noch, nachdem er gefühlt eine Millionen mal telefoniert hatte während der Fahrt, dass er das Auto zum ersten Mal fährt und er nur einem Kumpel aushilft, der eine Woche Urlaub machen wollte. Seine Erklärung zu dieser misslichen Lage war ganz einfach, er kenne das Auto nicht und das Auto kenne ihn nicht und es wäre eine langsam sich entwickelnde Beziehung. Als jedoch unser alter Superjeep die holprige Wellblechpiste erreichte, erholte er sich wie durch Zauberhand und bretterte schwer schaukelnd durch das unübersichtliche Terrain.


Abenteuerliche Anfahrt zum Gletscher


Überall nur Steine, Steine, Steine, große kleine, große kleine. Der Stimmung an Board taten diese Kleinigkeiten jedoch überhaupt keinen Abbruch. Wir scherzten mit Gunnar während er die unglaublichsten Steigungen vorbei an kraterähnlichen Löchern und riesigen Geröllmoränen bezwang. Bei einem ungelogen ca. 45 Grad Abwärtshang kam Achterbahngefühl auf wobei sich Uschi unverdrossen die Augen zuhielt. Christa hingegen aus dem Hintergrund brüllte: „Mach die Augen auf, dass musst Du gesehen haben, das ist der Wahnsinn!“ Christian hingegen wurde ganz ruhig und harrte der Dinge die da noch kommen mögen.


"Unser" Unimog mit glücklichen Workshop-Teilnehmern am Fuße des Gletschers.


An der IceCave angekommen, gab es für alle die obligatorischen Helme und Steigeisen zum Umschnallen. Dann ging es 100 Meter über das Eisschild zum Einstiegsloch der Höhle unter dem Gletscher. Unseren Teilnehmern blieb der Mund offen stehen und alle staunten über die blaue kalte Schönheit. 50 Shades of Blue glitzerten im Sonnenlicht und tausend Jahre alte Luftbläschen wurden für immer auf Fotos gebannt. Auf Grund der Verspätung hatten wir die IceCave fast für uns alleine und konnten uns lange 90 Minuten in Weitwinkelfotografie, Darstellung von Räumlichkeiten, Gegenlicht, Strukturen und Makrofotografie üben.


Impressionen aus der Eishöhle.


 

Einen glücklichen Zufall bescherten uns das Eiscave-Security-Team, in dem es große eisige Bruchstücke am Höhleneingang abhacken musste und wir so noch etwas länger in der Höhle bleiben durften. Der Weg zurück zum Unimog war spektakulär. Die Fallwinde sausten über den Gletscher hinab und trieben die Eiskristalle tief über dem Boden der Sonne entgegen. Was für ein schönes Naturschauspiel. Alle waren beeindruckt, zufrieden über die schönen Fotos und in voller Bewunderung über die Natur Island.  Gunnar und sein großes Ungetüm brachten uns sicher und wohlbehaltend zurück zur Gletscherlagune. Das unterwegs die Fahrer-, wie auch die Beifahrertüren fast abfielen, der linke Scheibenwischer alles verschmierte, während der rechte komplett fehlte, kommentierte Gunnar trocken mit dem Satz: „My friend has to fix some minor details!“ Für alle gab es zunächst wärmende heiße Schokolade mit Rum und eine kleine Stärkung bevor sich unsere Fotografen mit Begeisterung wieder dem eisigen Wind entgegenstemmten. Außergewöhnlich viel blaues Gletschereis füllte die Gletscherlagune und bald schon konnten wir vier Robben bewundern, die sich zwischen den zahlreichen Eisblöcken tummelten.

Dennoch entschlossen wir uns bald zum tiefschwarzen Strand zu begeben, auf dem große Gletscherbruchstücke den starken Wellen trotzten. Hier gab es hervorragende Bedingungen für spektakuläre Gegenlichtaufnahmen der großen Brecher, die vom stürmischen ablandigen Wind zusätzlich aufgebauscht wurden. Schnell wurde auch das Makroobjektiv ausgepackt, um die unzähligen Strukturen des Eises einzufangen. Der feine schwarze Lavasand bildete einen kraftvollen Kontrast mit den durch die Sonne wie von innen leuchtenden Gletscherbrocken. Auch Langzeitaufnahmen mit Graufiltern wurde geübt. Die Teilnehmer waren überrascht welche tollen Ergebnisse sie in kürzester Zeit erzielen konnten. Vertieft wie wir waren, bemerkten wir nicht, dass urplötzlich mehrere Reisebusse anlandeten und etwa einhundert Touristen an die Küste strömten, was unsere Fotolust ein wenig dämpfte. Aber so ist das nun mal an den landschaftlichen Highlights.


Neu eingetroffene Touristen am Strand der Gletscherlagune. Ab diesem Moment war leider kein ungestörtes Fotografieren mehr möglich.


Unseren Abend beschlossen wir wie immer mit einem guten Abendessen und der Besprechung unserer Bilderauslese.

Morgen begeben wir uns schon langsam wieder Richtung Reykjavik (aber zum Glück ist ja erst Halbzeit).

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Von Stränden, Basalt und Selfies
Wasserfälle und Gletschereis
 

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Sonntag, 28. Mai 2017