Architekturfotografie in Reykjavik

Am endgültig letzten Tag unseres Workshops gönnten wir uns und den verbleibenden Teilnehmer ein spätes gemütliches Frühstück im Hotel. Steffen musste leider schon etwas eher nach Hause fliegen. Dann ging es bei stürmischen Wind und leichtem Regen auf zur Reykjavik-Tour. Wegen der Witterungsverhältnisse gingen wir auf Nummer sicher und machten ein Indoor-Whale-Watching in Europas neuestem und größtem Walmuseum im Hafen der isländischen Hauptstadt. In atemberaubender lebensechter Größe schweben in einer blaugetauchten Halle ca. 20 Wale und Delfine durch die Luft und beeindrucken die Besucher durch ihre Vielseitigkeit, Aussehen und Naturtreue.


 

 

Sehenswertes Walmuseum in Reykjavik mit lebensgroßen Modellen und vielen interaktiven Informationscomputern


Unsere Fotografen waren restlos begeistert und versuchten die Giganten möglichst echt im Bild festzuhalten. Gemütlich bei Kaffee und Keksen ließen wir die tolle Stimmung auf uns wirken und lauschten den Gesängen und Klackerlauten der Riesen.
Im neuen Kultur- und Kongresszentrum Harpa gab es eine Exkursion in die Geheimnisse der Architekturfotografie. Das architektonisch bestechende Gebäude inspirierte uns zu immer neuen Ideen und die Teilnehmer wurden mit der Zeit mutiger in der Bildsprache und probierten auch ungewöhnliche Ansichten. Das Ergebnis ist sehenswert und zeigte, dass es sich lohnt Neues auszuprobieren.


 

Innenansichten des Konzert- und Konferenzhauses Harpa in Reykjavik


Am Stadtsee Tjörnin hatten die eiskalten Temperaturen der letzten Tage eine spiegelglatte Eisplatte entstehen lassen, die es uns trotz starken Windes ermöglichte stimmungsvolle gespiegelte Stadtansichten im Abendlicht zu fotografieren. Die jungen Singschwäne sorgten nebenher für Erheiterung (siehe Video).




Im schwindenden Licht gab es die letzte Fotolektion an der teilweise eingerüsteten Hallgrímskirkja, der markanten und größten Kirche im Stadtzentrum von Reykjavik. Hier bestand die Aufgabe darin, durch geschickte Wahl der Perspektive störende Bildelemente wie Baustelle, Touristen oder Autos auszublenden.
Da ich es auch als meine Aufgabe betrachte, den Workshop-Teilnehmern die Gepflogenheiten und Kultur Islands zu vermitteln, durfte ein wichtiges Element der isländischen Lebensweise nicht fehlen: Hákarl. Der nicht ganz zu Unrecht als Gammelhai bezeichnete fragwürdige Genuss des fermentierten Grönlandhais wurde in der Woche mehrfach thematisiert und nun am letzten Abend auch probiert. Mit einem ordentlichen Schluck Brennivín wurde es zwar auch nicht besser, aber wir fühlten uns danach fast wie richtige Isländer und Kristin und Christian nahmen zur Sicherheit gleich zwei Stücke dieser „Köstlichkeiten“.


Eine isländische Spezialität ist Hákarl - fermentierter Grönlandhai. Nicht immer ein Genuss aber Teil der isländischen Historie und Kultur


Morgen geht es für alle zurück nach Deutschland.

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Stürmischer Einstieg

Heute präsentiert sich Island nicht von seiner Schokoladenseite, zumindest was das Wetter betrifft. Grau in grau und Regen. Trotzdem lassen sich die Einwohner von Reykjavik nicht beirren und präsentieren sich verrückt und lebensfroh wie immer. Heute im Angebot: The day of silly walks. Bekannt geworden durch Monty Python’s Flying Circus versuchen heute am weltweiten Tag des albernen Marsches auch die Isländer so abstrus wie möglich durch die Straßen zu marschieren.


Unser Silly Walk an der Perlan, dem großen Wasserspeicher in Reykjavik.


Island ist ein Land der Extreme. Viele, die zum ersten Mal hier sind unterschätzen die raue und unberechenbare Natur. Während einige Erlebnisse ärgerlich sind aber noch glimpflich ausgehen (Fehler beim Furten, Feststecken in loser Lava oder in Schneefeldern usw.) können andere Situationen schnell lebensbedrohlich werden. So erging es gestern wohl auch einem Touristenpaar, die mit einer Gruppe zu einer sehr beliebten Schneemobiltour zum Langjökull Gletscher aufgebrochen waren und in einem plötzlich einsetzenden Schneesturm den Anschluss an ihre Gruppe verloren hatten. Nach mehreren Stunden konnten die beiden durch 180 Helfer stark unterkühlt aber unverletzt gerettet werden.

So ein Erlebnis möchten wir natürlich keinem in unserer Gruppe bescheren und haben uns deshalb  außerordentlich sorgfältig auf die nächsten Tage vorbereitet und sind schon mal einige Strecken vorher abgefahren. Vor allem die Planung für nächsten Samstag, auf der Halbinsel Reykjanes, war heute Vormittag im Fokus. Schwuppdiwupp ging es zunächst mit unserem schönen Tourbus Richtung Kleifarvatn, einem malerischen See, eingerahmt von Felswänden.

Was zunächst wie ein Kinderspiel wirkte, holte uns ganz schnell wieder auf den Boden der isländischen Tatsachen zurück und zeigte uns, dass in Island die Natur die Gesetze macht. Kurz nachdem die asphaltierte Straße 42 in eine Gravel Road überging, standen wir auch schon mit unserem Bus an einem vereisten Hang und rutschten langsam aber unaufhaltsam rückwärts wieder runter. Der Bus blieb glücklicherweise nach ein paar Metern stehen, während heftiger Wind und Schneeregen unaufhörlich gegen die Scheiben drückten. Also hieß es Aussteigen, Ausrutschen und Wiederaufrappeln, zum Kofferraum schlittern und Schuhspikes anlegen.   

Erst nach etwa einer Stunde und der Hilfe eines sehr freundlichen (und mit einem viel wintertauglicheren Fahrzeug ausgestatteten) Isländers der uns half, einige Kilogramm Schlamm und Steine auf die Straße und unsere Räder zu befördern, konnten wir unser Fahrzeug und uns aus dieser misslichen Lage befreien. Dank an unseren unbekannten Helfer! Hier ein kleines Video kurz nach unserem Missgeschick.

Glücklicherweise hatten wir Schuhspikes eingepackt und über so viel Schotter direkt am Strassenrand hatten wir uns schon lange nicht mehr gefreut. Wir haben uns auch direkt gleich ein baugleiches Auto inklusive Spikes  organisiert, denn es liegen in den nächsten Tagen wahrscheinlich noch mehr vereiste Pisten vor uns.

Direkt nach dem Besuch bei der Autovermietung ging es weiter zum Flughafen Keflavik um die restlichen Teilnehmer abzuholen. Nach einem kurzen Kennenlernen gab es wieder ein sehr schmackhaftes Essen im Potturinn og Pannan  in netter Gesellschaft unserer nun vollzähligen Gruppe. Da es ja ein INTENSIV Fotoworkshop ist, haben wir den Fotoworkshop auch gleich mit einen nächtlichen Fototripp durch Reykjavik eröffnet. Da die Wolkendecke leider zu dicht über Reykjavik hing, waren die angeblich darüber tanzenden Nordlichter nicht zu sehen und die Teilnehmer bekamen als Entschädigung eine ordentliche Einführung in das Thema Fotografieren bei starken Sturmböen. Dazu ging es zum höchsten Punkt in Reykjavik, der Perlan, einem sehr präsenten, bunt beleuchteten Warmwasserspeicher aus Aluminiumtanks die mit einer beleuchteten Glaskuppel überdacht sind. Die erste Lektion war Fotografieren bei schwierigen Witterungsverhältnissen sowie Sicherung der Kamera und des Stativs bei Sturm. Anfangs etwas zaghaft bezwangen die Teilnehmer jedoch ganz schnell die Kälte und nutzten die Gegebenheiten vor Ort, um sich fotografisch warm zu schießen. Die Lichtsituation an der zweiten Station, der Skulptur Sólfar, was auf Deutsch Sonnenfahrt bedeutet, wurde schon viel kreativer und mutiger in den Fotos umgesetzt. Unser letzter Halt widmete sich dem Thema nächtliche Langzeitbeleuchtung.  Die rhythmisch fließenden bunten Farben der wunderschön beleuchteten Harpa-Fassade, dem neu errichteten imposanten Konzerthaus,  spiegelten sich in den davor liegenden Wasserbecken. Der starke Wind sorgte zudem für eine rippelige Wasseroberfläche, die jedoch durch eine lange Belichtungszeit, zu einem soften Farbenteppich umgewandelt wurde.



Trotz Eiseskälte wurde viel ausprobiert und experimentiert und die ersten Erfolgserlebnisse beim Umstellen von Automatik auf manuellen Modus verzeichnet. Das nächtliche Einstiegsseminar hatte auch noch einen weiteren wichtigen Aspekt. Morgen werden sich einige Teilnehmer sicherlich noch etwas wärmer anziehen.   

 

 

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